Asthma beim Pferd erkennen und über Fütterung positiv beeinflussen

Equines Asthma ist heute eine der häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen beim Pferd.

Gerber (2017) sagt, dass bis zu 20 Prozent aller Sport- und Freizeitpferde in irgendeiner Form von Asthma bei Pferden betroffen sind. Das Problem beginnt oft schleichend mit gelegentlichem Husten und Leistungsabfall und kann sich bis zu schwerer Atemnot entwickeln.

Die gute Nachricht ist: Fütterung und Stallmanagement haben einen messbaren, wissenschaftlich belegten Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

1. Was Equines Asthma tatsächlich bedeutet

Nahaufnahme eines braunen Pferdes, dessen Atem in der kalten Winterluft sichtbar wird

Der heutige Sammelbegriff “Equines Asthma“ umfasst sowohl die milden Formen (IAD – Inflammatory Airway Disease) als auch das schwere chronische Asthma (früher RAO). Man findet aber auch Abkürzungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder eng. chronic obstructive pulmonary disease) und SPRAO (eng. summer pasture recurrent airway obstruction). Charakteristisch ist immer eine chronische Entzündung der Bronchien, die über Jahre bestehen bleibt, wenn die Umweltbelastung nicht konsequent reduziert wird.

Die Erkrankung entsteht nicht plötzlich. Sie entwickelt sich schleichend durch ständigen Kontakt mit:

  • staubigem Heu
  • Schimmelsporen
  • Bakterientoxinen
  • feinen Pflanzenpartikeln

 

Diese Stoffe gelangen beim Fressen direkt tief in die Lunge. Das Immunsystem reagiert mit Schleimbildung, Verkrampfung der Bronchien und strukturellen Umbauten der Atemwege. Die Folge ist eine zunehmende Einschränkung der Luftaufnahme – zunächst nur unter Belastung, später auch in Ruhe.

2. Equines Asthma Symptome – so zeigt sich die Erkrankung

Die Equine Asthma Symptome variieren stark je nach Krankheitsstadium. Gerade das macht die Früherkennung schwierig, weil viele Pferde über Monate nur sehr milde Anzeichen zeigen.

Typische Symptome nach Krankheitsstufe
Stadium Typische Anzeichen
Frühstadium vereinzelter Husten beim Anreiten, schnellere Ermüdung
Mittleres Stadium häufiger Husten, Schleimausfluss, Leistungsabfall
Fortgeschritten Atemnot in Ruhe, sichtbare Bauchatmung, Dampfrinne
Schwere Form permanente Atemarbeit, reduzierte Belastbarkeit

Gerade beim allergischen Asthmapferd tritt eine deutliche Abhängigkeit von der Umgebung auf. Viele Pferde sind auf der Sommerweide nahezu beschwerdefrei, während sie im Winterstall massiv husten, laut Mańkowska et al. (2024).

3. Warum ist die Fütterung von Pferden mit Asthma so wichtig?

Nahaufnahme eines braunen Pferdes beim genüsslichen Fressen von grünem Heu im Stall

Beim Fressen entstehen mit Abstand die höchsten Staubbelastungen im Stall. Studien zeigen, dass der überwiegende Teil der lungengängigen Partikel kleiner als 5 Mikrometer ist – also unsichtbar, aber tief lungengängig. Diese Partikel entstehen vor allem beim Zupfen des trockenen Heus.

Je trockener, schimmelbelasteter oder stark zerbröselter das Heu ist, desto höher fällt die Belastung aus. Genau deshalb ist die klassische Heufütterung der größte Risikofaktor bei Pferde Asthma.

4. Heuanalyse und mikrobiologische Untersuchung – ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Pferdeasthma

Asthma beim Pferd wird in der Praxis fast immer über Staub, Lagerung und Fütterungsform gesprochen. Was jedoch noch viel zu selten konsequent eingesetzt wird, ist die laborbasierte Heuanalyse mit mikrobiologischer Untersuchung. Dabei ist sie einer der zuverlässigsten Wege, um die tatsächliche Belastung für die Atemwege objektiv zu beurteilen.

Viele Heuproben sehen äußerlich sauber aus, enthalten aber dennoch massive Mengen an Schimmelpilzsporen, Bakterien, Endotoxinen und Feinstaubpartikeln, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Genau diese unsichtbaren Bestandteile sind jedoch die Hauptauslöser für das Equine Asthma bei Pferden und chronische Entzündungen der unteren Atemwege.

Eine ernährungsphysiologische Heuanalyse allein (Rohfaser, Energie, Zucker, Eiweiß) reicht bei Pferdesthma ausdrücklich nicht aus. Notwendig ist eine kombinierte Analyse aus Nährstoffen und mikrobieller Belastung, um das Risiko für die Lunge korrekt einschätzen zu können.

4.1. Welche mikrobiologischen Parameter bei Asthma besonders relevant sind?

Bei Pferden mit Equines Asthma Symptome spielen vor allem folgende Belastungsfaktoren im Heu eine entscheidende Rolle:

Parameter Bedeutung für die Lunge
Gesamtkeimzahl zeigt bakterielle Grundbelastung
Schimmelpilzsporen starke Asthma-Trigger
Endotoxine fördern neutrophile Entzündung
respirabler Staub gelangt tief bis in die Bronchien

Je höher diese Werte ausfallen, desto stärker ist die Reizung der Atemwege – völlig unabhängig davon, ob das Pferd akut hustet oder symptomfrei wirkt. Gerade bei allergischem Asthmapferd sind diese Parameter entscheidend für den Langzeitverlauf.

Vergleich der Raufutterarten im Zusammenhang mit Equinem Asthma

Futterform Staubbelastung Einfluss auf Lunge Praktische Umsetzbarkeit
Trockenes Heu kann sehr hoch sein stark verschlechtert einfach
Gewässertes Heu deutlich reduziert verbessert arbeitsintensiv
Bedampftes Heu sehr niedrig deutlich verbessert teure Technik
Heupellets / Cobs extrem niedrig deutlich verbessert gut umsetzbar
Heulage niedrig bis mittel verbessert lageabhängig/das Pferd kann sensibel reagieren

Staubfreiheit ist bei Equines Asthma bei Pferden wichtiger als jede Medikamentengabe. Ohne Futterumstellung bleibt jede Therapie nur eine kurzfristige Symptombehandlung.

5. Gewässertes Heu bei Asthma beim Pferd – Vorteile und Grenzen

Tropfender Heusack über trübem Wasserbehälter

Westerfeld et al. (2023) untersuchte gezielt den Effekt von 45 Minuten gewässertem Heu bei Pferden mit schwerem Equinem Asthma. Die Ergebnisse zeigten:

  • deutliche Verbesserung der Lungenfunktion
  • geringere Schleimansammlung in der Trachea
  • spürbare klinische Erleichterung

 

Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass Pelletfütterung die Entzündung in der Lunge stärker reduzierte als gewässertes Heu. Zudem ist das Wässern mit erheblichem Aufwand verbunden.

5.1. Nährstoffverluste und Gewichtsrisiko bei gewässertem Heu

Ein häufig übersehener Punkt ist der massive Nährstoffverlust durch das Wässern, Bodchnia et al. (2021) und Glatter et al. (2021) fassten einige Punkte zusammen:

Nährstoff Verlust nach 30-60 Min
Zucker (WSC) bis 30 %
Mineralstoffe deutlich reduziert
Rohprotein potenzielle Verluste

In der Studie verloren die Pferde auf gewässertem Heu im Schnitt über 20 kg Körpergewicht in sechs Wochen. Deshalb ist bei dieser Fütterung eine engmaschige Gewichtskontrolle zwingend notwendig.

6. Omega-3-Fettsäuren als ernährungsmedizinische Unterstützung

Eine Studie von Nogradi et al. (2014) zeigt eindrucksvoll, dass Omega-3-Fettsäuren einen messbaren Zusatznutzen bei Asthma-Pferden bringen, wenn sie mit staubreduzierter Fütterung kombiniert werden.

Die untersuchten Pferde erhielten eine DHA-reiche Omega-3-Supplementierung. Das Ergebnis war eindeutig:

  • deutlicher Rückgang der Hustenfrequenz
  • geringere Atemarbeit
  • signifikante Reduktion entzündlicher Zellen in der Lunge
Wirkung von DHA laut Studie
Parameter Omega-3
Hustenverbesserung verbessert für ca. 60 %
Atemarbeit um ca. 48 % gesunken
Neutrophile in BAL stark reduziert

Omega-3-Fettsäuren wirken direkt auf zellulärer Ebene, indem sie entzündungsfördernde Fettsäuren verdrängen. Die Bronchien produzieren dadurch weniger aggressive Entzündungsbotenstoffe.

Wichtig bleibt: Omega-3 ist eine Ergänzung – kein Ersatz für staubfreie Fütterung.

7. Optimale Fütterungsstrategie für Pferde mit Asthma

Braunes Pferd frisst Heu auf strohbedecktem Stallboden vor Holzwand

Für eine stabile Atemwegsgesundheit benötigen Pferde mit Equinem Asthma:

  • staubfreies Raufutter
  • tiefe Fressposition
  • im Allgemeinen ausgewogene Mahlzeit
  • stabile Mineralstoffversorgung
  • gezielte Omega-3-Versorgung
  • gleichmäßige Futterstruktur ohne starke Schwankungen

 

Besonders bewährt haben sich Heupellets, Heucobs, bedampftes Heu oder gute Heulage. Diese Varianten reduzieren die Lungenbelastung dauerhaft und zuverlässig.

8. Asthma beim Pferd ist ein Managementproblem

Moderne Forschung zeigt ganz klar: Asthma bei Pferden ist kein reines Lungenproblem, sondern eine Folge jahrelanger Umweltbelastung. Medikamente können helfen, aber Dauerhafte Stabilisierung gelingt nur über:

  • konsequente Staubreduktion
  • richtige Fütterung
  • passende Einstreu
  • gute Belüftung
  • regelmäßige Bewegung

Viele Pferde mit diagnostiziertem Equine Asthma können bei optimalem Management über Jahre hinweg nahezu beschwerdefrei leben.

Fazit

Asthma beim Pferd ist heute kein unausweichliches Schicksal mehr. Durch die sorgfältige Kombination von Fütterung, Staubmanagement und gezielter Nährstoffzufuhr lässt sich der Krankheitsverlauf messbar positiv beeinflussen. Die Wissenschaft ist hier eindeutig: Staubarme Fütterung ist der wichtigste therapeutische Faktor – Omega-3-Fettsäuren können diesen Effekt zusätzlich verstärken.

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